Nicht mit dem Messer

von Herr Schwaner am 11.03.2008

Ganz früher, da gab es gepflegt eins auf die Finger, wenn Klein-Klaus Dieter nicht parieren wollte und der Meinung war, mit dem Küchenmesser durch das Haus zu laufen. Ach, was red’ ich? Da gab es Schellen, bis der Hintern glühte. Als dann die 68er-Generation, die ja gerade ihren 40. Jahrestag feiert und dabei recht eigentümlich wirkt, alle Familienwerte über den Haufen warf, übrigens scheiterte ja auch Eva Hermann an dieser Diskussion, weil sie Menschen ins Felde führte, die dort nichts verloren hatten, da wurde nicht mehr geprügelt, bis der Sohn mit achtzehn Jahren stramm stehen und den Arm zum Gruße heben konnte, nein, da wurde, in Ermangelung von Erfahrung, stets gelassen — frei heraus. Was dem Kinde eben so in den Sinn kam. Zum Beispiel mit einem ellenlangen Küchenmesser in der Hand eine Freitreppe zum Garten hinunterzulaufen, wie meine Mutter mir die Tage von einer damaligen Arbeitskollegin zu berichten wußte. Hippieesk mit den Worten untermalt “Das Kind wird schon seine Erfahrungen machen…” und ich habe keine Ahnung, warum beim Schreiben im Hintergrund eine Sitar skurile, fremde Töne leiert.

Heute sind wir ja schon weiter, denn das Zuviel an Authorität vermengte sich mit dem Fehlen an Authorität zur heutigen Vernunft der Erziehung. Und wieder sehe ich mich im geistigen Auge vor Lachen auf die bepackten Schenkel schlagen. Denn auch heute sind wir nicht weiter, den Eltern zu erklären, wie sie mit der bockigen Phase im dritten Lebensjahr ihres Kindes umzugehen haben. Verhauen ist dabei ebenso verpönt wie konsequentes Durchgehen lassen. Dafür ist Reden Gold. Erkläre dem Kind. Erläutere dem Kind. Mach ihm deinen Standpunkt klar. Zeige die Konsequenzen. Sei liebevoll da, küss die Hand gnä’ Frau dort, aber wehe der Finger wird zum unreflektiertem “Dududududududu” erhoben, dann ist vorbei mit lustig und hunderte Augen entsetzter Mitvierziger, die ihren zweijährigen Sproß durch die Gegend schieben, brandmarken dich als Authoritätsspießer, während die fremde Rasselbande schon wieder den Boden vor dem Kassenbereich des Supermarktes aufwischt, weil kurz vorher noch das Ei des Damokles gesichtet und sogleich dem Sichtfeld wieder entzogen wurde. Na, erklär’ doch mal, während du auf der einen Seite vor Scham im Boden versinkst und dir auf der anderen Seite vor Wut die Galle überzukochen droht.

Für Erklärungsversuche hatte mein Sohn, seines Zeichens Bock, nicht Fisch, nie viel übrig.

“Bötchen haben”, sagt er gerne, weil die meisten Supermärkte inzwischen outgesourcte Backstuben haben, die sich natürlich hinter den Kassen befinden, als hätte man nicht bereits vor den Kassen genügend Spass gehabt.
“Kein Brötchen”, befinde ich und bin es inzwischen leid, das weiter auszuführen.

Während andere anscheinend noch mehr Enthusiasmus an den Tag legen.

“Nein, mein Schatzerl, du kriegst jetzt kein Brötchen, wir essen zu Hause doch gleich Mittag.”
– “Brötchen haben!”
“Och, Schätzelein, wir essen doch gleich.”
– “Brötchen haben!!!”
“Dann bist Du ja schon satt, wenn wir zu Hause essen wollen…”
– “Brötchen haben!!!!!!!!!”
“Aber…”
–”Brötchen haben!!!!!!!!!!!!!!!!!!”
“Nun…”
— “Brööööööttchen!!!!!”

Genau diese Eltern möchte ich sehen, wenn ihr Kind mein Universalküchenmesser mit einer Klingenlänge von gefühlten einenmeterundfünfzig herumträgt. Ob sie dann auch der Meinung sind, ruhig und gelassen auf das Kind einzureden, während der Spross mit leuchtenden Augen mit dem nichtrostenden Wiegestahl herumwedelt und ihn genauso gelassen, wie seine Eltern mit ihm diskutieren, in den neu gekauften Korpus des Esstisches sticht. Oder beim Zuhören den Wellensittich, das Meerschweinchen als auch Oma und Opa fein säuberlich niedermetzelt, während die Eltern noch die Vorzüge des Weglegens diskutieren. Vielleicht sollten sie ihrem Nachwuchs auch noch zeigen, welche Konsequenzen der Umgang mit einem solchen Messer hat. Vielleicht schneidet sich ein beherzter Vater, pädagogisch sinnvoll, genüsslich vor den Augen des Kindes in den Unterarm, separiert vielleicht ein paar Finger von seiner Hand, entfernt Unwichtiges an Innereien und springt dann “Aua, aua” schreiend vor seinem unwirsch guckenden Kinde herum, der nicht viel Worte finden wird, vielleicht nur: “Papa macht?!”

Ich habe derweil meinem Sohn das Messer weggenommen, ihn ins Gebet genommen und auf seine Fingerchen gepatscht und ihm eindringlich gesagt, dass er das Messer einfach nicht zu nehmen hat. Punktum. Wenn er es dann doch tut, landet er ohne Kommentar in seinem Zimmer zum Mütchen abkühlen. Meistens ist das Messer dann für einige Tage vollkommen uninteressant. Bis in ihm der Reiz an der Konfrontation wiedererwacht ist…

Der Originaltext ist bei Herrn Schwaner im Blog erschienen

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Autor:
Herr Schwaner

erstellt am:
11. März 2008 10:21

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35 Kommentare


juli says:

huuhuh,

warum das Messer nicht einfach in einen Küchenschrank oben legen - wäre ja nicht sinn der Übung ich weiß aber dann wäre es schon ausser Reichweite. Und ihm alternativ vll nen Plasitschwert kaufen :)

Gruß Juli

stadtfrau says:

hm. alles lang und breit erklären - okay, das sieht wohl jeder früher oder später ein, dass das nicht immer geht und nicht immer sinnvoll ist. dass man auch nicht immer gelassen und zuckersüß bleiben kann und m.E. auch nicht soll - da bin ich ganz bei dir. aber auf die fingerchen patschen?
ich würde ja auch sagen: weg mit dem scharfen messer aus der reichweite des kindes.
mir fällt grad auf: unsere messer lagen immer erreichbar herum, aber das kind hat sich wohl nie groß dafür interessiert - oder es war damals noch nicht beratungsresistent ;)

Nicole says:

Diese Problematik kommt mir schwer bekannt vor. Zumal es bei uns kein “außer Reichweite” mehr gibt. Der Kleine schiebt die Stühle usw. dorthin wo es seiner Meinung nach benötigt wird und klettert wie ein Weltmeister. Überall hin! Bei Dingen wie Messer, heißer Backofen usw. gibt es dann auch schon mal einen Patscher (wir prügeln ihm nicht die Fingerchen rot, also wirklich nur einen Patscher). Das soll die Dringlichkeit nur nochmal unterstreichen und tut sicher weniger weh als eine Schnittwunde oder eine Verbrennung. Dieses Thema wird wohl immer die Gemüter spalten.

claudia says:

also wir sind ja erst im 2. jahr. aber wir hatten grade vorhin auch wieder das thema messer. wenn ich koche, sitzt lena bei mir auf der arbeitsplatte und darf “helfen”. da steht auch der messerblock in griffweite. natürlich will sie da dran. aber ich nehm ihre finger weg, sage nein, das ist gefährlich und fertig. wenn sie nochmal hingreift, wird sie auf den boden gesetzt. und aus. irgendwann wird sie es hoffentlich kapiert haben… es gibt einfach dinge die sie nicht darf, weil sie gefährlich sind. aber ich sehs nicht ein, dass wir alles wegräumen müssen. irgendwo, irgendwann erwischt sie trotzdem ein messer und weiß dann hoffentlich wie sie damit umgehen soll…

ich denke, dass lange erklärungen einfach nicht weiterhelfen. das ist doch mittlerweile bekannt, dass man mit langen sätzen ect nicht weiterkommt, weil die kleinen einfach abschalten.

genauso handhabe ich es auch in anderen situationen. wenn lena zb ihre schuhe bringt und unbedingt in dem moment rauswill. dann sag ich zb. wir gehen ein bisschen später raus. fertig, aus. wenn madame dann meint, dass sie einen kleinen tobsuchtsanfall bekommen musst, bitteschön! auf trotzen reagier ich nicht. erst wenn sie wieder ruhig ist… bisher fahren wir damit relativ gut. es wird aber bestimmt nicht einfacher, je älter sie wird…

Ami says:

sehr sehr gut herr schwaner! ganu auf ihrer seite - sowohl bei den schönen ausführungen der erziehungsstile als auch bei den patschern auf die hände. die gibts hier auch und auch vor drei wochen ca. die erste ohrfeige. da rannte der sohn auf die viel befahrene strasse zu, weil er sich vorher losgerissen hatte und ich ihn nicht mehr zu fassen bekam und er nicht auf mein stop halt stehen bleiben reagierte. reden hätte da nichts geholfen. der schlag auf die wange war nicht heftig, aber so, dass er es mitbekam. ich habe hinterher erklärt. ich habe mich entschuldigt, habe ihm gesagt, dass ich große angst um ihn hatte und das er das nicht machen darf. ich denke, solche situationen gibt es, ich will das nicht leugnen.

Feuervogel says:

Wenn du es jetzt noch schaffst, das Auf-die-Finger-hauen-wegzulassen, dann bin ich vollkommen bei dir. Allerdings glaube ich, dass ein konsequentes NEIN, Wegnehmen, zur Not auch Wegtragen, streng Reden oder was auch immer … ausreicht bzw. ausreichen sollte. Der Klapps zeigt eigentlich nur die Ohnmacht der Eltern, denn er verstärkt die Aussage des NEIN eben nicht, beschädigt aber in meinen Augen das Verhältnis zwischen Eltern und Kind.

Zudem finde ich auch, dass angemessenes Erklären nicht unbedingt schadet. Die meisten Erwachsenen haben dabei nur eben ein Problem, dem Kind auf Augenhöhe zu begegnen. Denn was hilft es, den kleinen Trotzzwerg unter einem Wortschwall zu begraben, den er ohnehin nicht versteht. Mal abgesehen davon, dass das von dir beschriebene Brötchen-Gespräch nicht aufgrund von zuviel Erklärung gescheitert ist, sondern aufgrund mangelnder Konsequenz. Aber dabei sind wir ja wohl einer meinung.

latita says:

Ich denke es gibt für jeden Situationen, wo einem gerne die Hand ausrutschen würde und wenn es nur für einen Klaps ist. Ich glaube sogar, dass es Situationen gibt, in denen nichts anderes hilft. Es gibt Kinder die hören wenn man was sagt und es gibt Kinder, die gehen bis zum äußersten.
Es darf nur nie in großer Wut passieren. Denn dann ist es keine Erziehugsmaßnahme, sondern reiner Frustabbau.
In diesem Sinne stimme ich mit dem oben geschriebenen überein ^^

Rosa says:

Als allererstes fällt mir zu der Brötchenstory eine kleine Anekdote ein. Damals betrat ich nämlich, noch kinderlos, einen Drogerie-Discounter, hinter mir eine junge Frau, die zwei kleine Kinder dabei hatte. Das eine legte gleich los: “Mama, ich hab Hunger, krieg ich hier eine Guuuurke?” Mama erklärte sehr lieb, dass es da ja nun keine Gurken gäbe. “Mama, ich hab Hunger, krieg ich denn Radieschen.” Nein, wurde dem Kind erklärt, Radieschen gäbe es auch nicht. Das ging noch ein wenig durch einige Gemüse. Dann erwies sich das Kind als sehr großzügig: “Mama, na gut, zur Not nehm ich dann eine Schokolade.” :-)) Ich bin ja auch nicht so für diese Betteleien, aber ich vermute stark, als Belohnung für diese Kreativität hätte ich meinem Kind Schokolade spendiert ;-)
Ansonsten seh ich das Ganze ähnlich, würd es aber nicht direkt so unterschreiben. Schläge oder auch Patsche oder auch Ohrfeigen haben meiner Meinung nach in der (geplanten) Kindererziehung nichts zu suchen. Bestimmtheit, ein lautes Nein, ein Wegtragen, ein kurz aus dem Raum schicken, ja! Und natürlich kann es jedem und jeder passieren, dass die Hand ausrutscht oder dass man aus lauter Schreck mal richtig losbrüllt. Wenn das hinterher besprochen wird, so wie Ami es schreibt, ist das auch kein Drama, zumal bei einem Kind, das so einen Erziehungsstil nicht gewohnheitsmäßig erleben muss. Aber wenn man sich das als mögliche Konsequenz vorbehält, es quasi von vornherein als Strafungsmöglichkeit einplant, dann finde ich das nicht gut, es ist dann nur noch ein Zeichen von eigener Ohnmacht.

Vermutlich hab ich jetzt aber die ohnehin vorherrschende Meinung in krause Worte gepackt ;-)

KatjaW says:

Man kann sich auch tot erklären. Und wenn man’s schon gefühlte 300x gesagt hat, und es trotzdem missachtet wird, scheint’s ja auch nix zu nützen. Dann muss ein “Nein” reichen. Wenn der Kuchen redet, haben die Krümel Pause. Ende Gelände.
Und wer dann IMMER noch ans Messer will oder ähnlich gefährliche Sachen macht, der riskiert auch bei uns eins auf die Finger oder den Popo. Und darf auch ins Zimmer zum Frustabbau. Da geht sie aber dann auch von alleine hin, denn natürlich weiß sie ganz genau, dass sie grad Mist gemacht hat.

Soweit stimme ich zu, ich würde aber das Messer wegräumen. Erziehung, wie auch immer, ob mit Reden oder auf die Hände hauen ist ja schön und eher nicht schön, meine Angst wäre, das der kleine Mann mal mit dem Messer losrennt und stürzt.

Unser Moritz hatte die Angewohnheit auf die Fensterbänke zu klettern. Einmal war es auch auf, da gabs von meiner Seite aus ein Donnerwetter das die Stadt bebte. Das Kind traurig und ich dann auch. Also wurden die Fenstergriffe getauscht gegen abschließbare Griffe. Seitdem war Ruhe.

Ansonsten fällt mir auf, das viele Mütter ihren Kindern in Supernannyart gebehtsmühlenartig irgendwas erklären, so wie oben mit dem Brötchen. Die schauen wohl zu viel fern. :O).

Und der Oskar, der ist übrigens ganz ein hübsches Kind.

Liebe Messerwegleger und alles Gefährliche-der-Welt-Verstecker, Paul kommt an alles ran. Wo er will und wann er will. Und wenn er sich den Stuhl schnappt, auf die Küchenanrichte steigt und die Tür öffnet, wo ggf. das versteckte Messer liegt. Und das in einem atemberaubendem Tempo, dass uns Eltern schon mal der Atem stockt.

Was glaubt ihr denn, wieviele Male wir Paul das Messer oder ähnlich Gefährliches wieder abgenommen und es ihm ruhig erklärt haben, dass er sich daran verletzen kann. Was glaubt ihr denn, wie oft wir Paul dann genommen haben und mit etwas anderem beschäftigt haben, um ihn auf andere Gedanken zu bringen?

Hey, es ist nicht so, dass Paul etwas entdeckt, in die Hand nimmt und der Papa ihm dafür mit dem Rohrstock die Hand blutig fetzt. Es ist ein Klapps, ein Patsch. Kein “Ich steck dir die Hand in Schraubstock, Keule!”-Patsch. Das Patschen auf seine Hände ist weder die letzte Konsequenz, noch unser Erziehungsstil, aber es kann passieren, dass es im Affekt geschieht, wenn Herr Paul uns zu Tode erschreckt, obwohl er es besser wissen müsste. Das hat weder was mit Ohnmacht noch mit martialischen Erziehungsmethoden zu tun. Mir ist es wirklich in dem Moment nur lieber, er hat ‘nen Patsch auf der Hand, als ein Messer im Bauch oder einen fehlenden Finger.

Feuervogel says:

Solange man sich dann anschließend noch schämt, ist glaub ich alles im grünen Bereich … ;o)

stadtfrau says:

keine sorge, herr schwaner ;) ich glaube, jeder wird verstehen können, dass ein klaps auf die finger im affekt passieren kann - das kam im ausgangstext nicht so deutlich rüber. als selbstverständlich angewandte erziehungsmethode finde ich ihn weiterhin untauglich.

karo says:

Hallo,
ich habe keine Kinder und wahrscheinlich werde ich deshalb auch gleich für meine Worte gelüncht, weil ich mich ja nicht auskenne etc.
Ich bin der festen Überzeugung, ein Kind lernt rein empirisch.
Das heißt, es muss selbst ausprobieren was gut und was schlecht ist.
Dass der Herd gefährlich und heiß ist, wird das Kind erst wirklich wissen wenn es rangefasst hat und wenn man Glück hat ist er dann grade nicht besonders heiß. Also warum nicht z.B. den Herd sehr leicht anmachen (nicht heiß, nicht so dass man sich verbrennt, das kleine Patschehändchen nehmen und ranhalten.)
Bei einem Messer wird es dann schonwieder schwierig.
Da ist meiner Meinung nach die einzige mögliche empirische Erfahrung der SCHRECK eines Klapses. Bewusst schreibe ich Schreck - nicht Schmerz!

In allen Lebenslagen versuchen unsere Eltern ihre Erfahrungen weiterzugeben und zu erklären was richtig und was falsch ist.
Und wer von Ihnen hat auf seine Eltern tatsächlich immer gehört?
Die Erfahrungen haben Sie ja auch selbst gemacht.

karo says:

Huch - nur dass Sie mich nicht falsch verstehen - ich denke auch nicht, dass es eine Erziehungsmethode ist sein Kind zu hauen.

Aber ich denke, dass man auch einen Klaps nicht immer pauschal negativ bewerten kann.

Ami says:

was karo schreibt ist sehr sehr wahr. “Da ist meiner Meinung nach die einzige mögliche empirische Erfahrung der SCHRECK eines Klapses. Bewusst schreibe ich Schreck - nicht Schmerz!”

genau das. der schreck. der schreck über den klaps auf die hand oder die finger oder die wange, der schreck darüber, dass muttern verängstigt wirkt. mir ist das herz stehen geblieben da an der strasse. wir müssen über diese strasse um irgendwohin zu kommen. es geht nicht anders. an der strasse ist vor einem halben jahr eine frau zusammen gefahren worden. was ausser diesem klaps auf die wange hätte ich tun sollen? und das messerproblem haben wir hier eins zu eins auch so. ben kommt da ran. wegsperren oder sonst was bringt nichts. null. zumindest bei ben und scheints auch bei paul.

[...] fängt es an? Veröffentlicht März 11, 2008 Nicht kategorisiert herr schwaner hat authentisch aus dem elternalltag erzählt. und mich zum nachdenken angeregt. was tun, wenn das [...]

Klabauter says:

Bevor ich weiterlese, gleich mal kluckscheißern: die 68er Generation feiert ihren 60. Also jedenfalls dann, wenn man vom durchschnittlichen Alter eines 68ers ausgeht. Ich will nämlich nicht dazu gerechnet werden, und ich gehöre zu denen, die stramm auf die 40 zu marschieren… ;-)

Zeitlos says:

Lieber Herr Schwaner,

ein ganz, ganz, ganz herzliches Dankeschön für diesen Text! Als kinderloser Mensch hatte ich schon das Gefühl, dass ich nur noch Erklärbär-Eltern um mich herum habe. “Nein, Tschakkelin-Kevin-Lena-Luca du darfst nicht auf die Straße rennen. Dann kommt nämlich das pöse Auto und das tut nicht auf dich aufpassen und dann hast du ganz schlimm Aua.”

Ich finde das furchtbar. 1. Weil Kinder, die nicht von kleinauf lernen, was ein schlichtes Nein heißt, auch später nur schwer akzeptieren, dass ihr Wille nicht der Dreh- und Angelpunkt der Welt ist (Rein subjektive Beobachtung), 2. weil die Welt kein auf Kinder ausgerichteter Hochsicherheits-Trakt ist. Manche Dinge sind einfach verboten.

Ich halte wirklich nichts davon, Kinder zu schlagen. Aber es stimmt, was karo und Frau Ami geschrieben haben: Der Schreck ist es, was sich einprägt. Und wenn das Nein nicht hilft und es darum geht, das Kind quasi vor sich selbst zu schützen, dann ist auch ein Klaps okay.

Liebe Frau Ami, ich kann ihre Ohrfeige sehr gut verstehen (Auch wenn ich nie ein Kind ins Gesicht hauen würde). In meiner Familie gibt es auc so “erklärende Eltern”. Bei einer Familienfeier habe ich beobachtet, wie ein damals zweijähriges Mädel durchs Tor vom Hof schlüpfte und Richtung Straße wegrannte. Die Eltern rührten sich nicht. Also bin ich raus, habe das Kind eingesammelt und wieder auf den Hof gebracht. Bei der nächsten Gelegenheit: Schwupps, weg. Das gleiche Spiel. Schimpfen war egal, erklären war egal. Beim dritten Mal rannte sie richtig auf die Straße zu und sah sich zwischendurch um: Na? Kommt die Tante auch und wird böse? Die Tante kam und die Tante war böse. So böse, dass Madame sich einen Klaps auf den dicken Windelhintern einfing. Und siehe da: Der Schreck hats gebracht. Ihr allerallererster Klaps hat bewirkt, dass sie brav im Hof spielte und nur zwischendurch, wenn das Tor aufging, fragte: “Nis raus?”- “Genau, nicht raus.”

[Das berührt natürlich auch ein anderes Thema: Inwiefern darf man sich in die Erziehung "fremder" Kinder einmischen? Ich finde eigentlich: gar nicht. Aber ich sehe auch nicht zu, wie Kinder auf die Straße rennen, sich mit Schüreisen die Köpfe einschlagen (kein Witz...) o.ä., nur weil die Eltern lieber ein bissel nachsichtig sind und den lieben Kleinen ihren Freiraum lassen wollen.]

tonni says:

Hand aufs Herz:
Irgendwie finden solche Situationen nicht nur statt, wenn das Kindelein etwas gefährliches tut. Auch können sie durchaus das Elternherz bis aufs Äusserste reizen - und ich unterstelle den Kleinen damit in keinster Weise böse Absicht!!!! - so dass man selber da steht, in völlige Wut und Hilflosigkeit rutscht. Dass da der Patsch oder Klaps oder das feste Anfassen des Kindes am Arm absolut daneben ist - darüber muss man nicht reden. Aber das es passiert - darüber darf man doch wohl reden? Darüber sollte man reden. Und das ohne den erhobenen Zeigefinger.
WIr sind alle Menschen mit unseren eigenen Päckchen. Und wir sollten uns alle unter Kontrolle haben, dass selbst ein kleiner “Patsch” nicht zur Anwendung kommt. Genau so wenig wie verbale Gewalt.
Aber auch hier denke ich: Wir machen Fehler. Alle. Wir wissen zumeist für uns und unsere Kinder, was wir wollen, was wir richtig finden. Aber es ist nicht nur unser Kopf, der uns leben lässt.
Zum Glück eigentlich.

Und das hab ich auch bei Frau Ami geschrieben. Weils trifft. FInd ich.

Sabine says:

Will ich mich als Mitvierziger jetzt mal richtig blamieren?
Einfach mal sagen, dass man die Kinder erst mal so formt … ihnen nämlich erst mal alles erklärt, sie lobt und fördert und sich dann wundert, wenn sie nicht so leicht zu lenken sind wie die Kinder, die von klein auf ständig eine auf die Finger gezischt bekommen “Mach dies nicht, mach das nicht, NEIN!”
Das man die Kinder hat, die zu einem passen: man steht nur früh mit ihnen auf, wenn man will, man läßt sie nur dann stark werden, wenn man Stärke kennt, man läßt sie nur dann unordentlich sein, wenn man selbst damit klar kommt? Man kann auch mal wütend und Unmensch sein, weil man Mensch ist?
Oder duckt man die Kids ständig, weil man es selbst so kennt, man schlägt nur, weil man selbst ….
Wer sagt denn, das Kinder haben und erziehen einfach ist?
Wer sagt, daß der Erziehungsstil vom Alter abhängig ist?
Wer sagt, daß Kind sein einfach ist?
Und die nächsten Generationen werden es wohl auch nicht besser machen, das mit dem Erziehen ;)

Ach übrigens: Kindern, denen von den Eltern keine Grenzen gesetzt werden, leiden oftmals unter dem Fehlen der Grenze. Weil oftmals der Eindruck entsteht, die Eltern erlauben alles, um Ruhe zu haben ergo ein Desinteresse am Kind gefühlt wird.

@Sabine: Ich will mein Sohn nicht lenken. Aber ein Küchenmesser hat in seiner Hand nichts zu suchen. Und weder bekommt er ständig “auf die Hand gezischt” noch wird er geschlagen oder anderweitig gedemütigt.

Allerdings geht mir diese gekünstelte Gute-Welt-Manier auf den Keks, die einem entsetzt entgegengeworfen wird, wenn man sein Kind etwas lauter anfährt (nicht niederbrüllt!), weil es nach der 1000 Verneinung immer noch nach dem Schokoladenei brüllt. Und nichts weiter wollte ich kontrovers zur Diskussion stellen. Da draußen wird mit Kindern noch viel Unvorstellbareres angestellt. Eltern zu stigmatisieren, weil sie in einem Affekt ihrem Kind auf die Hand “patschen”, was ihm nicht einmal schmerzt, sondern eher erschreckt (s.o.), ist meiner Meinung nach zu einem unsäglichen Besserwisser-, Altklugen- oder meinetwegen auch Klugscheißersport geworden.

Bettina says:

Ich hab mir die Kommentare hier so ziemlich alle durchgelesen und mir fehlt ein bisschen das Loben. Ich persönlich finde, dass Erklären durchaus sehr wichtig ist und nie fehlen sollte, und ich bin auch nicht sicher, ob ich nicht auch mal einen Klaps für angebracht halten werde, auch wenn ich versuchen will, ohne auszukommen, aber ich finde es mindestens genauso wichtig, sein Kind zu loben, wenn es genau das, was es einmal oder auch mehrmal “falsch” gemacht hat, richtig macht. Z. B. wenn es doch mal wieder ein Messer in die Finger bekommt und es dann aber weglegt, finde ich, sollte man das Kind loben und das Weglegen besonders hervorheben. Ich versuche Nina oft zu loben, wenn sie was macht, wie man es eigentlich auch machen sollte, sie es aber als Kleinkind vielleicht noch nicht so wissen kann. Sie wirft z. B. gerne mal mit Essen oder auch ihrer Tasse um sich. Wenn sie das Essen oder die Tasse aber mir gibt (oft sagt sie dazu dann ein “Da”), dann lobe ich sie, dass sie das gerade ganz toll gemacht hat. Ich denke und hoffe, so lassen sich vielleicht auch manch unschöne Situationen umgehen. Man muss so oft “Nein” zu seinem Kind sagen, das möchte ich dann gerne, wo es geht, durch Lob ausgleichen. Ich persönlich halte das für wichtig.
Was ich generell auch ab und an bei Nina mache, ist sie auf Gefahren hinzuweisen, auch wenn sie gar nicht akut sind. Wenn ich beispielsweise am Herd stehe und etwas köchelt, dann sage ich “heiß, das ist heiß” und puste mir auf die Hand oder so. So versuche ich ihr, noch bevor sie überhaupt Interesse am Herd hat, beizubringen, dass da eine Gefahr lauert. Kann natürlich sein, dass sie denkt “Mama, warum machst du dann da rum, wenn es da heiß ist?”, aber das zu erklären, kommt ja dann erst später.
Und in Situationen, wo Nina unbedingt etwas haben will, ich es ihr aber in dem Moment nicht geben will oder kann, versuche ich sie einfach abzulenken. Da red ich auch nicht groß rum von wegen “Nein, das geht jetzt nicht, blabla”, ich versuch sie meist gleich auf eine andere Sache hinzulenken. Bisher bin ich damit ganz gut gefahren, aber das schlimme Alter kommt ja bei Nina auch erst noch.
Man kann wohl nie sagen, was genau in einer Situation die richtige, adäquate Handlung ist, aber ich für mich versuche erst mal präventiv einzuwirken. Mal sehen, ob’s hilft. ;-) Und wenn es doch mal zu einem Klaps kommen sollte, dann würde ich es so wie Ami machen und hinterher entschuldigen und erklären. Bin mir allerdings auch nicht sicher, ob ich ins Gesicht klapsen würde, ich denke, eher auf den Hintern oder wahlweise die Fingerchen, aber am liebsten eigentlich gar nicht. :-)

[...] Hier läuft interessanterweise gerade diese Diskussion. Passt irgendwie zum Thema. [...]

@Bettina: Meinst Du, bei uns läuft es anders? Mitnichten.

Kassiopeia says:

Natürlich ein Riesenschreck, wenn das Kind auf die Strasse läuft, wo Frau Ami schlimmes dort schon sah, natürlich gar nicht lustig, wenn Paul mit dem Messer rumfuchtelt (vielleicht wird er Koch?!) - das man sich tierisch erschreckt ist logisch! Das man im Reflex, dann haut, kann passieren, aber ich habe das Gefühl, dass hier darüber diskutiert wird, ob ein Klaps ligitim ist als Erziehungsmittel. Und das finde ich nicht. Ich halte auch für gefährlich, ob die Grenze nicht irgendwann verschwimmt und der Klaps auch zum Einsatz kommt, bei weniger gefährlichenn Manövern, weil es sich einschleicht und normal geworden ist. Ich kann auch nicht glauben, dass es nicht einen Ort gibt, wo man die Messer oben auf einen Schrank legen kann und in 2Meter Höhe sind diese unerreichbar für Paul. Und wenn ihr das dann nicht auf einen Schrank legt, ist es ein Machtspiel und da seit ihr dann alle Verlierer, ihr weil ihr nicht nachgeben wollt, und betont es ginge ausschließlich um die gefährliche Situation und Paul weil euch provoziert hat bis “zum Äußersten”. Das wird er mit anderen DIngen wieder tun! So sind Kinder. Manchmal denkt man als Eltern, die wollen einen verrückt machen! Keiner ist perfekt, hier wird es laut (ist auch Gewalt), hier werden auch Kinder gegen ihren Willen angezogen, aber trotz massig Steckdosen und ohne FI-Schalter und großem Interesse an den Steckdosen, wurde noch niemand gepatscht! Ich würde mich danach auch zu scheiße fühlen, genauso scheiße wie nach dem Anschreien, wenn ein Kind weint, weil es nichts bringt, die eigene Hilflosigkeit aufzeigt und die Kinder das irgendwann einfach kopieren. Die schreien dann lauter als andere, hauen andere usw. Weil sie es nicht anders kennen. Irgendwann zieht das nicht mehr! Oder wollt ihr das halten wie meine Eltern zum Beispiel ala “Also mit 10 hauen wir dann nicht mehr, dass hat ja dann keinen Sinn?!” Gefährliches Thema. Aber falls es euch interessiert. Mein Therapeut ist Kinder- und Jugendpsychotherapeut und hält einen Klaps bei gefahr völlig in Ordnung und nicht schädlich. Er ist der Fachmann- wir die Erzieher, die sich wohlfühlen müssen und später Antworten geben, auf IHRE Fragen… Ich hoffe wir haben dann alle die richtige Antwort…

Klabauter says:

Meiner Erfahrung nach haben viele Eltern damit ein Problem, tatsächlich eine Autorität zu sein. Und das heißt nun mal auch, klare Regeln aufzustellen *und* durchzusetzen. Letzteres ist durchaus schmerzlich, für die Eltern! Denn da muss man streng sein und bekommt von seinem Kind kein positives Feedback…

Karin says:

@Kassiopeia: es tut sehr gut, das von dir zu lesen. Diese Einstellung hätte ich bei dir irgendwie gar nicht vermutet …

Susel says:

Bei der ganzen Diskussion hier wird was übersehen: wenn du mit Schlagen (auch auf die Finger hauen) anfängst, wo hört das auf? Die Patscherei nützt sich ab, nach dem Fingerpatschen kommt die nächste Stufe. Bringen tut es nach einer Weile zwecks Gewöhnungseffekt nichts mehr, man muss sich also steigern. Da das Kind aber aus Geschlagenwerden nicht einsichtig (wieso auch, es wird gedemütigt! Und da einen sinnvollen Zusammenhang herzustellen, damit ist es maßlos überfordert), sondern eher trotzig reagiert, ist das nächste Theater vorprogrammiert. Abgesehen von den vielen anderen Argumenten gegen das Schlagen: es nützt einfach auf Dauer überhaupt nichts und vergiftet das Klima zwischen Eltern und Kind. Bei kleinen Kindern ist es sehr schwierig. Trotzdem: es geht, auch kleinen Kindern kann man Dinge verständlich machen. Nicht mit “Schatzilein-bla-bla”, sondern kurzen, klaren Worten und Konsequenzen, und die dann ausnahmlos auch einhalten. Man muss sich viel Gedanken machen und Strategien zurechtlegen, und sich ständig hinterfragen. Das ist viel Arbeit - leider zuviel für manche. Und leider ist das sehr kurzsichtig gedacht.

Mama says:

Nein, bei der ganzen Diskussion wird von vielen - nicht allen - übersehen, dass es sich hierbei nicht um die Regel im Hause Schwaner handelt. Von daher fangen wir mit nichts an, was gesteigert werden kann. Natürlich erklären wir Paul zum 1000. Mal, dass das Messer etc. gefährlich ist, natürlich erfährt er (andere) Konsequenzen wenn er doch wieder nicht hört, natürlich legen wir gefährliche Sachen möglichst außer Reichweite. Doch wo ist da der Anfang und das Ende? Sollen wir Eltern, nur um dem Konflikt zu entgehen ALLES außer Reichweite der Kinder nehmen? Den Backofen am besten in den Keller verfrachten? Es werden auch “Neins”, also Machtkämpfe, vermieden, wo es geht. Aber es geht eben nicht immer und überall.

[...] 12 03 2008 Kinder fordern uns heraus, das ist nichts Neues, aber irgendwie scheint mit diesem Artikel ein stein ins Rollen gekommen zu sein. Das Kind fordert - und wie reagieren wir? Eine spannende [...]

Bettina says:

@Herr Schwaner: Ich glaube, mein Kommentar ist etwas misinterpretiert worden. Er sollte lediglich darstellen, wie ich Sachen handhabe, da war kein Zeigefinger mit dabei, ganz sicher nicht, wie soll ich auch wissen, wie ihr das handhabt. Ich bin mir sicher, dass viele Kommentare jetzt etwas überbewertet werden. Die meisten denke ich, versuchen einfach ohne Klaps auszukommen, wie ich und ihr ja sicher auch, aber wie ich ja auch schon selbst geschrieben habe, ich würde Klapse auch nicht ausschließen. Obwohl ich auch nicht kenne, bin mich mir sicher, dass ihr beide wunderbare Eltern seid und ich denke nicht, dass jetzt irgendjemand anders denkt. Und wenn jemand jetzt anders denkt, dann hat er den Klaps überbewertet. Mein Kommentar sollte eigentlich nur darstellen, wie ich es bei uns handhabe, und nichts weiter, ehrlich nicht. Ich mische mich ganz bestimmt nicht in anderer Leute Erziehungsmethoden ein, das mach ich auch bei meinen besten Freunden nicht. Aber der Beitrag schrie ja gerade nach Diskussion, und ich finde es okay, wenn die Leute ihre persönliche Meinung dazu schreiben. Noch mal: Ich für meinen Fall habe nur geschrieben, wie ich es so mache und was ich so für gut befinde, das hatte mit euch nichts zu tun, aber hat eben ein bisschen hier reingepasst.

[...] 12, 2008 Kinder , Menschen , vom bloggen und Bloggern Da habe ich bei all dem Quergelese hier, hier, hier und hier über die Erziehung des Nachwuchs’ doch fast eine gänzlich andere [...]

Kassiopeia says:

@Karin: Wieso finde ich das unheimlich, dass ich anders eingeschätzt werde?!

Zeitlos says:

Ich finde das höllisch interessant, wie sich die gesamte Diskussion um den Patsch/Klaps/Wasauchimmer, der bei vielen scheinbar als erster Schritt zum Kindsmord gesehen wird, dreht und gar nicht mehr darum, dass an manchen Stellen langwierige, “pädagogisch korrekte” Erklärungen nicht mehr greifen. Oder hatte ich Sie da falsch verstanden, Herr Schwaner?