Wenn die Kita krank macht …

von Herr Schwaner am 22.08.2009

Dieses Wochenende verwandelt sich bereits in den frühen Stunden zum Horrortrip: Das Wetter ist bescheiden, wird gerade etwas schöner, Oskar hat richtig schlechte Laune und diese drückt er durch Schreien, Sich-winden und Hauen aus und Paul möchte nur in Ruhe mit seiner Eisenbahn spielen, die Oskar, sobald er ins Wohnzimmer gelangt, weil er inzwischen alle Türen aufbekommt, mit Wonne zerdrischt — es geht ja nicht, dass sein Bruder spielt.

Es wäre alles ertragbar, wenn die Nacht vernünftiger gewesen wäre und die Kinder nicht STÜNDLICH nach unserer Anwesenheit verlangten (Husten, Schnupfen, Durst, Alptraum, Unruhe). Unser Dank geht an jene Eltern, die ein verfiebertes Kind mit Husten und Schnupfen am ersten Tag nach der Schließzeit in die Gruppe geben mussten. Vielen, vielen Dank. Eine ganze Gruppe angesteckt. Super Leistung.

Eltern, die ihre Kinder bewusst krank in die Kita schicken, sollte man wegen Körperverletzung anzeigen dürfen. Andere Eltern — darunter wir — bleiben auch mit kranken Kindern zu Hause. Lächerliche Erkältungen sind eines, aber ein Kind mit akuter Bronchitis oder Fieber hat nichts im Kindergarten zu suchen. Das hilft dem Kind nicht, gesund zu werden, und den anderen Kindern nicht, gesund zu bleiben.

Informationen zum Anspruch auf Krankheitstage bei Erkrankung des Kindes (§ 45 SGB V):

“Der Anspruch besteht je Kind für maximal 10 Arbeitstage im Jahr, je Elternteil für maximal 25 Arbeitstage bei mindestens 3 Kindern. Für alleinerziehende Eltern gilt jeweils die doppelte Zeitdauer.”

wenn

“[...] das Kind jünger als 12 Jahre ist, keine andere im Haushalt lebende Person das Kind betreuen kann, eine ärztliche Bescheinigung über die Notwendigkeit vorliegt und, kein Anspruch auf bezahlte Freistellung durch den Arbeitgeber besteht [...]” (aus: akademie.de, Betreuung kranker Kinder: Dürfen Eltern sich krank melden, weil das Kind krank ist? Erwin Denzler

Es sollte doch also möglich sein, dass sich die Eltern einigen können, wer wann auf ein krankes Kind zu Hause aufpasst und es pflegt. Alle arbeitsrelevanten Reibereien, die sich aufgrund von Fehlzeiten durch ein krankes Kind ergeben, zeigen nur überdeutlich, wie kinderfreundlich Land und Unternehmen sind: Null. Da kann die Zensursula soviel Gelder in die Eltern stecken, wie sie möchte. Erst muss sich das Klima gegenüber Kindern und Familien in diesem Land gewaltig ändern, bevor die Menschen sich vielleicht in der Gesellschaft genug geborgen und akzetiert fühlen, um wieder mehr Kinder zu kriegen. Dass es am Geld liegt, halte ich weiterhin für ein Ammenmärchen — schließlich ist es ja nicht so, dass Deutschland kindstechnisch aus allen Nähten platzt, seit es das Elterngeld gibt.

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Autor:
Herr Schwaner

erstellt am:
22. August 2009 8:44

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28 Kommentare


Ami says:

das ist nicht so einfach wie das da steht mit den 10 tage pro kind….http://www.dak.de/content/dakprfirmenservice/kranke_kinder.html zahlt nämlich die firma, wie unten in der verlinkung beschrieben stellt sich die frage: “Wie lange sie Anspruch auf eine solche Entgeltfortzahlung haben, richtet sich nach den Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches (§ 616, BGB). Demnach besteht der Anspruch für eine „verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit“. Das Bundesarbeitsgericht hat dazu mit seiner Entscheidung vom 19. 4. 1978 (5 AZR 834/ 76) festgestellt, dass als „verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit“ ein Zeitraum von maximal fünf Arbeitstagen anzusehen ist. Diese Festsetzung basiert auf der Reichsversicherungsordnung (RVO, § 185 c, Anspruchsdauer von Krankengeld bei Erkrankung eines Kindes), die sich als gesetzliche Grundlage jetzt im SGB V (§ 45) wiederfindet.

bei uns im betrieb sind es zb 6 arbeitstage bezahlte freistellung für egal wie viele kinder….

und was ich auch nicht verstehe: ist da der kiga nicht hinterher, wenn so was passiert? bei uns werden die kinder sofort nach hause geschickt und dürfen erst wieder mit gesundmeldung vom kinderarzt wieder erscheinen. also nahezu rabiat gehen die da vor :)

und ansonsten: ja ammenmärchen, das mit dem geld. volle zustimmung!!

@Ami: Die 10 Tage des §45 SGB V sind für die unbezahlte Freistellung von Seiten des Arbeitgebers. §616 BGB gilt nur für den Fall, dass der Arbeitgeber bezahlte Freistellung im Arbeitsvertrag zur Verfügung stellt. Der gesetzliche Anspruch auf 10 Tage vom Arbeitgeber unbezahlter Freistellung (eben §45 SGB V) bleibt davon unberührt. Wenn also Dein Arbeitgeber 6 Tage bezahlte Freistellung gem. Arbeitsvertrag gewährt, ist das freiwillig, Du hast dennoch Anspruch auf vier weitere Tage unbezahlte Freistellung.

Zum Kiga-Problem: Was willst Du machen, wenn die Eltern morgens ihr Kind abgeben, ohne ein weiteres Wort zu verlieren? Und dann nicht zu erreichen sind oder einfach nicht kommen können wg. der Arbeit?! Warum ist das eigentlich die Schuld der Kita/KiGa nun wieder? Es ist Zeit, Verantwortung an die Eltern zurückzugeben. Das Bedürfnis, beim Thema Kinder die Schuld bei anderen Stellen zu suchen, als bei den Eltern, ist unsäglich.

Martina says:

und das in Zeiten der Schweinegrippe…

(und wenn man selbst nicht beim Kind zu Hause bleiben kann, gibt es tolle Einrichtungen - googlet mal nach “zu Hause gesund werden”, da kommt eine Fachkraft ins Haus und kümmert sich um den kleinen Patienten, für einen vergleichsweise Spottpreis…)

LG Martina

june says:

herr schwaner, da haben sie aber einen stein angerollt.
also hier bleiben die kinder zuhause mit durchfall, fieber und dergleichen. das versteht sich von selbst. selbst mit hautauschlag darf kein kind in die kiga. die verlangen nach “jeder” krankheit einen attest vom arzt (was mit gehörigen abstand zu beurteilen ist, denn wenn ein kind beim arzt “ok” aussieht und die eltern versichern das kind sei fieberfrei, durchfallfrei, spuckfrei oder dergleichen stellt der arzt den attest aus). es ist eine schwierige kiste und ich habe gott sei dank einen loyalen arbeitgeber. wir schicken unsere kinder also nur gesund (soweit voraussehbar) aber gehen dafür selber krank in die arbeit, denn mehr fehlttage geht einfach nicht…
und sie haben recht - eltern die ihre kinder krank, egal wohin bringen und das eigene kind und andere dadurch gefährden sollten schärfstens verwarnt werden. denn bei einigen ist nicht der job das problem sondern eher die auseinandersetzung mit einem kranken kind…ich könnte da geschichten erzählen….

ami says:

“Warum ist das eigentlich die Schuld der Kita/KiGa nun wieder? Es ist Zeit, Verantwortung an die Eltern zurückzugeben. Das Bedürfnis, beim Thema Kinder die Schuld bei anderen Stellen zu suchen, als bei den Eltern, ist unsäglich”

sie sollten eigentlich wissen, dass ich sicher nicht eine von denen bin, die die schuld ständig im system und nicht bei den leuten sprich den eltern sucht!!

und abgesehen davon: die eltern werden nicht von alleine drauf kommen und auch nichts von alleine ändern, wenn die kigas nicht schlicht die annahme der kinder (ich darf das mal so profan ausdrücken:)) die krank sind verweigern. sofern man es merkt. was meinen sie, wie oft ich in meiner arbeit denke “herrgott, dass ist nun echt elternproblem und nicht meins.” und dennoch weiss: wenn ich jetzt nichts sage oder nicht reagiere, wird den eltern das nie bewusst was sie tun. wenn jemand etwas gar nicht bewusst ist, kann er auch nichts ändern.

Sofern die Erzieherin es merkt. Eben. Bei schwereren Erkrankungen muss auch hier gesundgeschrieben werden. Aber viele Eltern verschweigen es lieber und “dopen” ihre Kinder, damit es nicht auffällt, wenn sie das Kind abgeben. Wozu gibt es fiebersenkende Mittel?

Irmi says:

” Die 10 Tage des §45 SGB V sind für die unbezahlte Freistellung von Seiten des Arbeitgebers. ”

Richtig, und für diese Zeit erhält man Lohnausgleich von der Krankenkasse. Es besteht also wirklich keine Veranlassung, kranke Kinder in Kita oder Schule zu schicken, nur weil die Betreuung gesichert werden muss.

Es gibt aber auch immer wieder einzelne Eltern, denen gar nicht auffällt, dass ihre Kinder krank sind - Fieber haben, total verlaust sind … und das finde ich noch viel trauriger.

Kathi says:

Caitlin war im ersten KiGa-Jahr sehr viel mehr als 20 Tage krank. Sie hatte allein 3 mal Bindehautentzündung und da durfte sie jedesmal erst wieder gehen, wenn das Auge absolut ok ist, was jedesmal 7 Tage gedauert hat. Dazu kamen Windpocken, Noro-Virus und 3 Tage-Fieber. Wir kamen insgesamt auf 37 Kranktage…

Und nun?? Ich hatte meinen Job damals gerade erst angetreten, war in der Probezeit. Mein Mann ebenfalls. Wir kamen beide frisch vom Studium. Wir hatten nur ein Anrecht auf 20 Tage unbezahlte Freistellung. Was ist mit den restlichen 17? Da ist man auf die Nettigkeit des Arbeitgebers angewiesen. Wirklich schwierig in der Probezeit bei einem nicht so netten männlichen Chef, bei dem sich nur die Frau um die Kinder kümmert.

Jemand, der von zu Hause arbeitet und eben auch mal nachts die Arbeit nachholen kann, hat da wirklich gut reden! Klar kann der die Kinder bei jedem Husten gleich zu Hause behalten! Dann muß halt mal gearbeitet werden, wenn die Kinder schlafen.

Bei mir ging es so aus, dass einmal ich mich selbst habe krankschreiben lassen, einmal die Oma. Außerdem in guten Zeiten Überstunden machen und dann im Krankheitsfall absitzen. So kamen wir dann auf die fehlenden 17 Tage!

Mal davon abgesehen, dass ich Caitlin mit Fieber immer zu Hause behalte und auch sonst, wenn es ihr nicht gut geht, würde ich nicht auf die Idee kommen, sie “gedopt” in die KiTa zu schicken. Aber wenn sie nur einen Husten hat oder ne Rotznase, kann ich mir ein zu Hause behalten nicht immer leisten!

LG Kathi

@Kathi: Ich rede auch nicht von Husten und Schnupfen, sondern wirklich von schwereren Krankheiten, die mit Fieber und Entzündungen einhergehen. Und warum sind Kinder in der Kita so oft krank? Weil eben viele wirklich kranke Kinder in die Kitas gebracht werden, die dort nichts zu suchen haben.

Jemand, der von zu Hause arbeitet und eben auch mal nachts die Arbeit nachholen kann… Klar: Wer von zu Hause arbeiten muss, freut sich ein Wolf, wenn die Kinder zu Hause jammern und quengelig sind und an den Nerven zerren, die man zum Arbeiten genauso braucht, wie jemand der angestellt ist. Nach 16 Stunden Kinderaufsicht ist keine Luft mehr, sich nachts hinzusetzen und qualitativ gute Arbeit abzuliefern. Von zu Hause aus arbeiten heißt nicht, Pillepalle herumzusitzen und Gurke abliefern zu können, sondern 10 Stunden und mehr zu arbeiten, während andere schon auf der Couch sitzen und den Abend feiern. Von der fehlenden Lohnfortzahlung im Krankheitsfall (gerade im Krankheitsfall von Kindern) mal ganz zu schweigen. Gerade deswegen bin ich besonders genervt als von zu Hause arbeitender Selbständiger, wenn ständig durch andere kranke Kinder, die zur Kita gebracht werden, meine eigenen Kinder krank werden und ich zu nichts mehr komme.

Kathi says:

Herr Schwaner, ich möchte die Arbeit derer, die zu Hause arbeiten, in keinster Weise herabsetzen. Derjenige ist einfach nur etwas flexibler und muß sich nicht rechtfertigen. Klar ist es hart! DAs steht absolut außer Frage. Aber wenn mal ein wichtiger Termin ansteht, dann hat man halt die Möglichkeit, es auch nachts zu machen. Wenn mein Kind krank ist und ein wichtiger Termin auf Arbeit ist, dann muß ich den absagen…
Ich wäre froh, wenn ich etwas mehr von zu Hause machen dürfte (bei meiner Einstellung wurde mir das versprochen - aber die Neider unter den Arbeitskollegen haben dafür gesorgt, dass das zurückgenommen wurde) - aber ich weiß, wie schwer das ist! Sich zu motivieren, sich zu reglementieren. Ich bewundere den, der es kann!

LG kathi

Micha says:

Naja, ich denke, man muss das Ganze mal sehr nüchtern und weniger idealistisch sehen: Nicht alle Eltern verstehen ihre Rolle so, wie es sich eigentlich gehören würde. Wenn Herr Schwaner sagt, die Verantwortung müsse endlich einmal an die Eltern zurückgegeben werden, dann frage ich mich: Wer außer der KiTa sollte diesen Schritt vollziehen? Wenn Eltern verantwortungslos handeln und die Einsicht fehlt, muss die Umwelt sie darauf aufmerksam machen. Schlimm genug, wenn Job und Karriere über alles geht. Sch… auf alle gesetzlichen Regelungen. Wenn das eigene Kind schwer krank ist, dann sollte das in jedem Fall vorgehen. Und wo ein Wille, da ein Weg… das ist unsere Erfahrung. ;)

Micha says:

@Kathi:
Nun muss ich einfach auch noch speziell auf Deinen Kommentar hier eingehen, weil ich eben jene Haltung rein gar nicht verstehen kann. Darf ich die provokante und vielleicht auch intime Frage stellen, WARUM Du ein Kind bekommen hast? Ich meine, die “von der Leyen’sche” Mentalität ist heutzutage “ganz normal”, nämlich Kinder zu bekommen und dann schnellstmöglich mit dem Beruf so weiterzumachen, als ob nie etwas anderes gewesen wäre. Als Katrin (meine Frau) neulich ihrer Oma (also die Uroma von unser Tochter Hannah) erklärte, dass sie nun wieder ihrem Beruf nachginge, wenn Hannah bald in den Kindergarten käme, da erntete sie bloße Entrüstung! Wenn man Kinder hätte, dann müsse man sich um diese kümmern und sie nicht “einfach so” abschieben. Sie fragte, was nach dem Kindergarten sei… und und und… Man verstehe mich bitte nicht falsch: Ich will nicht zurück in die Steinzeit! Aber ich frage ernsthaft: Sollte die Gesellschaft nicht umdenken? Vor “erst” zwei Generationen dachte man ganz offensichtlich noch total anders und heute steht der Beruf vor allem anderen. Ist das richtig? Ist es gut, wenn Kinder krank in eine KiTa müssen - auch wenn es “nur” eine Rotznase ist? Es könnte doch auch sein, dass allein schon ein kleiner Schnupfen mehr Fürsorge und Nähe verlangt, als es der berufliche Alltag hergibt! Es sind sicher nicht die körperlichen Beschwerden und auch nicht die Tatsache, dass man mit einem Schnupfen anderen anstecken kann. Es geht darum, dass kranke Kinder umso mehr Halt und Nähe suchen. Hm… Mag sein, dass wir da extrem konservativ - vielleicht auch theatralisch sind. Gut! Aber “früher” haben die Menschen nicht alles falsch gemacht. Und da kamen die Kinder und die Familie noch an allererster Stelle. Heute nehmen diesen Platz Ausbildung, Studium, Job und Karriere ein. Ohne Worte……. :roll:

Miri says:

Also da muss ich Kathi in Schutz nehmen. Vielleicht weil ich mich als Student und zukünftiger weiblicher Arbeitnehmer da auch etwas mit angegriffen fühle.
Ich meine wozu studieren wir Frauen, wenn wir ihr Modell vertreten würden. Natürlich wollen wir arbeiten gehen… ganz einfach, weil wir uns geistig und körperlich dazu in der Lage fühlen… und auch weil wir an ein Modell glauben, bei dem man Beruf und Familie vereinbaren kann.
Die Frage, warum Kathi sich für ein Kind entschieden hat, “obwohl” sie (anscheinend gerne) ihrem Beruf nachgeht finde ich ja geradezu unverschämt.
Wie ich aus ihren Worten heraus lesen kann, war sie zum damaligen Zeitpunkt anscheinend noch nicht so lange mit ihrem Studium fertig und gerade frisch in das Berufsleben eingetreten. Deshalb die Probezeit und deshalb der seelische und körperliche Stress krankes Kind/Familie und Anforderungen des Arbeitgebers unter einen Hut zu bringen. Sie hat an keiner Stelle behauptet, dass bei ihr der Beruf an erster Stelle stehen würde! Deshalb kann ich Ihre Aussage, lieber Micha, hier nicht so stehen lassen.

Leider leben wir in einer Gesellschaft, in der es besonders für studierte Müttern extrem schwer ist, den Zeitpunkt für ein Kind zu finden. Im Bologna-Studium müssen sie sich damit abfinden, den Anschluss zu verpassen und mehrere Semester hinten dran zu hängen. Beim Einstieg ins Berufsleben dann kann ein Kind im Lebenslauf Türen für den gewünschten Job versperren… und ist man dann frisch drin und könnte loslegen, dann kommt eben die Probezeit oder ein familienunfreundlicher Chef hinzu. Ich habe da in meinen Praktika schon einiges erlebt und würde pauschal behaupten… je besser man als Frau qualifiziert ist umso mehr muss man damit rechnen in eine Position zu gelangen, wo Kinder so gut wie unerwünscht sind.
Was ich damit sagen will… die Frau von heute ist nicht mehr die von damals. Ihr stehen alle Türen und Wege sich selbst zu verwirklichen (und z.b. zu studieren) und “Gleichberechtigung zu leben” offen. Es nützt also nichts, als Frau wieder das Leben der Großmutter zu führen. Sie muss ein neues Lebens-Model finden, mit dem sie sich und ihrer Rolle als Mutter gerecht wird. So lange unsere Gesellschaft da aber keine Barrieren abbaut und mehr Freiräume bietet, bleibt dieser Weg leider ein Leben lang ein Balanceakt.

Ich denke nicht, dass die neue bunte Welt funktioniert, in der angeblich Kind UND Karriere friedlich co-existieren. In vielen Fällen leidet das Kind, auch wenn es die Eltern nicht wahrhaben wollen, in vielen anderen die Karriere. Wie man es macht, macht man es falsch. Allerdings möchte ich hier nicht den Frauen einen schwarzen Peter zuschieben, denn der für Kinder notwendige Downshift muss von beiden Elternteilen kommen. Wenn sich beide ein wenig mehr für ihre Kinder zurücknehmen, wäre den Kindern schon geholfen. Und wer hier wieder mit Einkommen und Geld argumentieren will, der darf gerne noch einmal in sich gehen, bevor er/sie kommentiert. Kinder wollen Geborgenheit und Wärme, die sind bekanntlicherweise nicht mit Geld zu bezahlen.

Micha says:

Danke Herr Schwaner! Gerade der letzte Kommentar spricht mir aus der Seele und drückt das aus, was ich weiter oben schon sagen wollte: Heutzutage wollen Familien (NICHT Frauen!) gerne alles haben. Eine glückliche Beziehung, natürlich mit Kind, aber ohne Einschränkungen. Man möchte alles und weil das beim besten Willen nicht geht, sucht man nach Um- und Auswegen. Das Ende vom Lied ist die Abschiebementalität von (kranken) Kindern. Und da bleibe ich hart, weil ich ganz bewußt der Meinung bin: Wer Karriere machen will, soll die Kinder lassen wo sie sind. Da geht es nämlich um Menschen… um die Erwachsenen von morgen und die verlangen unsere ganze, uneingeschränkte Aufmerksamkeit - nicht nur, aber vor allem auch im Krankheitsfalle!

Katrin says:

Also ich werde weder von meinem Mann unterdrückt (Micha) nocht bin ich konservativ, aber seit unsere Tochter auf der Welt ist, heißt mein Job: Mutter!! Und das wird immer so sein. Wir haben uns für Kinder entschieden und ich werde einen Teufel tun, meine Tochter in den Kiga zu geben, wenn sie krank ist. Dann muss ich eben unentgeltlich zuhause bleiben, na und? Die Gesundheit meines Kindes geht vor! Kein Geld der Welt macht mein Kind gesund und kein Geld der Welt gibt ihr Nähe und Wärme, vorallem wenn sie krank ist. Natürlich gehen Kinder gerne in den Kindergarten, aber doch nicht wenn sie krank sind! Denken die heutigen Mütter wirklich so eiskalt und geben ihr krankes Kind in fremde Hände wenn es krank ist? Keine Erzieherin der Welt kann Mutterliebe ersetzen. Warum versteht das heute keiner mehr?? Alle wollen nach der Geburt eines Kindes so weitermachen wie bisher. Dank der heutigen Politik wird das auch noch gefördert…schrecklich! Was man damit den Kindern antut, davon will ich gar nicht reden. Warum kann eine Frau, wenn sie Mutter geworden ist, nicht einfach Mutter sein? Warum muss sie mit aller Gewalt arbeiten gehen (müssen)?
Hausfrau und Mutter zu sein ist in Deutschland mittlerweile ein undankbarer und fast schon sozial unpassender Job geworden und das ist schlimm! Ich kenne kaum noch Frauen die sagen: ich bin gerne “nur” Hausfrau und Mutter. Wo führt das hin? Das in Zukunft Männer Kinder kriegen?
Aber ich schweife ab :-) und schließe mich daher zum Schluss Herrn Schwaner an: kranke Kinder gehören nicht in den Kiga.

Katrin says:

Eins hab ich noch vergessen:
schlimm genug das es in Deutschland gesetzliche Regel für Eltern gibt, die vorschreiben wann und wie lange Eltern bei kranken Kindern bleiben dürfen! Zum Ko..!!!

[...] auf sein ausdrückliches und sehr dringliches Betteln hin in die KiTa gebracht hab, weil ich noch diesen Artikel der Schwaners im Ohr hatte. ABER, hab ich mir gesagt, nur weil er seit 2 Tagen alle paar [...]

rage says:

ich finde nicht, dass man hier einfach jemanden die schuld in die schuhe schieben kann. unsere kinder zum beispiel sind allermeistens gesund, auch wenn sie drei tage die woche in der krippe sind und auch bei regen in der badi. :-) und sie sind bestimmt von ganz vielen viren umzingelt. die nächte, wo sie nach mami und papi verlangen, sind auch selten und meistens auf alpträumen begründet. (trotzdem krieg ich die krise, wenn meine tochter hustet, das ist aber eine ganz andere geschichte und hat nix mit der krippe zu tun.)

ich hab meine kinder auch schon mit fieber in die krippe gegeben, und zwar einfach, weil ich wusste, dass es nur vom zahnen herrührt und sie sich in der krippe ablenken. war nie ein problem. husten und schnupfen in seiner profanen art ist auch kein grund, das kind zu hause zu lassen, weil das dort ja alle haben. und: auch die schiere existenz von durchfall muss kein grund sein, das kind zu hause zu lassen, weil es gibt 1000 gründe für durchfall, und wenns nur ist, weil es mehr flüssigkeit zu sich genommen hat als feste nahrung. :-)

aber ja, wenns den kiz schlecht geht, sie nur am weinen sind und ganz fest mami und papi wollen, dann dürfen auch sie zuhause bleiben.

Das mit der Schuld ist so eine Sache: Wenn ich weiß, dass mein Kind Fieber hat und nicht, weil es zahnt, sondern weil es krank ist, dann gebe ich ihm nicht Paracetamol, damit die Erzieherin nicht merkt, dass das Kind krank ist und warte dann, solange es gutgeht. Wenn dann in der Gruppe einer nach dem anderen krank wird, dann hat das mit Schuld sehr wohl was zu tun. Aber das den anderen Eltern wurscht ist, wie gesund die anderen Kinder sind, muss wohl mit dem immer latenter auftretenden Egoismus der Menschen zu tun haben - über den eigenen Tellerrand wird hier schon lange nicht mehr geguckt, hier zählt nur noch das ich, ich, ich.

rage says:

es gibt einfach kein richtig und falsch in dieser frage, sorry. ich glaube auch, jeder, der behauptet, er habe sein krankes kind noch nie in die kita/schule/kiga geschickt, der lügt. und dabei geht es nicht um ich, ich, ich, sondern um wir, wir, wir: was macht man, wenn man ein kind hat, das dauernd krank ist? dann ist man in der nächsten kündigungswelle der erste, der gehen muss. nicht alle können sich das gehen werden leisten. nicht jeder hat sofort eine oma zur stelle, die einspringen kann. und, und, und. einen teil der schuld trägt nicht nur das ich, ich, ich und wir, wir, wir, sondern auch all die väter, die die ganze last auf den müttern abstellen. mein mann ist einer der wenigen, die ich kenne, die auch mal zu hause bleiben. und die gesellschaft, die es zulässt, dass mütter, die den lebensunterhalt bestreiten und dann gekündigt werden, weil die kinder so viel krank sind, trägt, sorry, auch einen teil der schuld. man kann es auch anders nennen, fact ist: im ganzen ich, ich, ich gibt es auch andere faktoren, die genauso wichtig sind. ich glaube nicht, dass alle, die ihre kinder auch mal krank in die kita oder sonst eine kinderverwahrungsanstalt geben, das guten gewissens tun, sondern sachzwängen unterworfen sind, und wenn es nur derjenige ist, sich selbst mit perfektion unter druck zu setzen, weil man allen genügen will und letztendlcih an allem scheitert. DAS ist die wahre tragödie.

das elternsein und karriere keine friedliche ko-existenz bilden, ist aber ein ganz anderes thema.

Hallo, also Moritz geht auch mit Schnupfen und leichtem Räuspern. Aber darum ging es ja nicht, sondern um wirklich kranke Kinder. Ich käme nie auf die Idee mein fieberndes, kotzendes Kind abzugeben.

Meiner Freundin wurde von den lieben Kolleginnen im Krankenhaus auch schon mitgeteilt das sie aber oft zu Hause war. Es sind es aber genau die Kolleginnen, die selber Kinder haben. Ja genau die. Komischerweise hat sie von Ihren Vorgesetzten aber Rückhalt.

Nicht immer ist es der Chef, sondern eben die Arbeitskollegen die es Eltern nicht immer leicht machen.

Ich schweife ab.

Aber was das damit zu tun hat, ob ich Hausfrau und Mutter bin oder arbeite, versteh ich nicht. Auch hier wurden schon kranke Kinder abgegebn, von den Müttern, die den ganzen Tag zu Hause sitzen.

Zu Hause mit krankem Kind arbeiten geht nicht. Kenne ich. :-)

Ich hätte den Post auch so schreiben dürfen, um meiner Wut über merkwürdige Sachzwänge Luft zu machen:

Wenn meine Kinder krank werden müssen, weil überkandidelte Eltern ihre kranken Kinder in die Kita stecken, um jeweils ihre gut bezahlten Vollkarrieren vorwärts zu bringen, muss ich dafür keinerlei Verständnis aufbringen.

Und ich rede hier von unserem Kiez und seinen Eltern. Ich rede von Berlin. Von Berlin-Mitte. Ich rede von der Rosenthaler Vorstadt. Hier ist es so. Punktum. Es sind nicht die sozialschwachen Familien oder Alleinerziehenden, die so wenig Anstand an den Tag legen. Hier nicht. Es sind hier immer dieselben, die sich so benehmen, all jene, die auch ansonsten über Leichen steigen, um ihr Fortkommen und ihre Ziele zu sichern. Und genau jenen steige ich hiermit auf die Zehen. Niemandem sonst will ich Unrecht tun.

Das gewaltige Schieflagen in Gesellschaft und Politik vorhanden sind, die das begünstigen, das ist keine Frage.

Kathi says:

Lieber Micha: Ich gehe arbeiten, damit wir uns Kinder leisten können. Und damit mein Kind in einem Garten spielen kann. Hier in unserer Region verdient einer allein leider nicht genug, um einen normalen Standard zu gewährleisten. Klar könnte ich auch in der kleinen Zweizimmerwohnung wohnen - dann würden wir vielleicht mit dem einen Gehalt auskommen. Im Moment sieht es so aus, dass das Gehalt meines Mannes gerade die Festausgaben deckt. Davon haben meine Kinder leider weder etwas anzuziehen noch wir etwas zu Essen auf dem Tisch. UNd unsere Festausgaben sind auch nicht sonderlich hoch, da das Haus, in welchem wir wohnen geerbt ist und der Kredit für den Ausbau so gering wie möglich gehalten wurde…

Ich arbeite übrigens nur 20 Stunden. Wegen meiner Kinder! Um noch genug Zeit mit Ihnen zu verbringen. Und ich denke, dass meine Kinder durchaus glückliche Kinder sind! Karrierechancen habe ich mit der Geburt meiner Kinder begraben und ich bin auch nicht scharf darauf, da mir meine Kinder wichtiger sind. Aber ich werde auch weiterhin meinen Beitrag zum Einkommen der Familie beitragen!!

LG Kathi

rage says:

sehen sie, herr schwaner: mir kam noch nie die idee, wenn eines meiner kinder krank war, daran zu denken, dass irgendeine mutter ihr kind krank in die krippe gebracht hat und mein kind deswegen krank ist. viele krankheiten sind ansteckend lange bevor sie als krankheiten erkannt werden, und manchmal hat man doch einfach pech und manchmal hat man glück, oder?

ich hatte oft glück,meine kinder waren den ganzen sommer lang trotz vieler herum schwirrender grippeviren gesund, von einem kleinen schnupfen abgesehen. (manchmal frag ich mich: ist das gut? brauchen sie keine infekte? kommt das alles in geballter ladung später?) ich kann doch nicht die ganze nacht wach liegen und sagen: das war irgendeine karriere-tussi, die keine lust auf kranke kiz hatte? windpocken zum beispiel, das ist doch hoch infektiös genau dann, wenn die blasen entzündet sind. mein sohn beispielsweise ging kern gesund in die krippe und am nachmittag hatte er den rücken voller pusteln. kann keiner was dafür.

ich kann mich nicht mal an der kritik des reichen mannes beteiligen, an denen, die ihrer meinung nach über leichen gehen. ok, vielleicht tun sie das, aber wir alle haben unsere gründe für dieses und jenes, und meine erfahrung zeigt: nur weil es den anschein macht, muss es nicht so sein. und die meisten von denen sind ganz arme schweine. nein, ich habe kein mitleid, aber ich habe gelernt: jede fassade wirft ihren schatten.

Tjaaaaaaaaah, liebe Frau Rage, es scheint, als hätte ich heißeres Blut als Sie :)

rage says:

ich bin einfach müde und mürbe.

april says:

Ich bin gerade in der Probezeit wegen 2 Tage Krankheit des Kindes gekündigt wurden. So sieht die neue Arbeitswelt aus.
Trotzdem geht sie bei Fieber auf keinen Fall in die Kita.
Aber wer weiß, andere Eltern machen das vielleicht, weil sie nicht gekündigt werden wollen.
Ich rate von Kindern ab, denn die hat Deutschland und speziell Deutschlands AG nicht verdient.