Christlich korrekt

von Herr Schwaner am 01.10.2009, in: Andere Eltern/Kinder

Im evangelischen Kindergarten um die Ecke wird ein Kinderfest gefeiert. Es ist sonnig und warm und viele der Kinder der Einrichtung spielen mit ihren Eltern im neuen Garten. Weiter vorne, aus dem Foyer, dudelt laut — achtung, festhalten — laute Jazzmusik. Da schütteln Frau Rieke und ich das erste Mal mit dem Kopf, nicht weil Jazzmusik so schrecklich ist (zumindest für mich), sondern weil sich Jazzmusik und Kinderfest beißen. Ein weiterer Blick lässt uns das Blut in den Adern gefrieren: Die Musik kommt nicht etwa vom Band, sondern eine ganze Kombo dudelt live, mehrere Kellner mit weißen Hemden, Krawatten und roten Westen schenken Kuchen, Weißwein, sowie Champusderivate an die Eltern aus. Paul will sich unterdess das Treiben auf dem Spielplatz des Kindergarten ansehen und schaut durch das geschlossene Tor, vor ihm steht ein kleines Mädchen auf der anderen Seite des Tores. Da eilt die Mutter herbei, schaut Paul abfällig von oben an, dann mich, weil ich hinzugetreten bin, um Paul den Spielplatz zu zeigen, und zieht mit angewidertem Gesicht ihre Tochter weg.

Hm. Wirkte sehr christlich das ganze. Vor allen Dingen die Eltern. Bestimmt eine verspätete Wahlfeier der Backpfeifengesellschaft.

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Autor:
Herr Schwaner

erstellt am:
1. Oktober 2009 12:16

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9 Kommentare


Elisa says:

Jetzt rätsel ich, welcher Kiga es ist. Es gäbe zwei evangelische Kindergärten in der Nähe, wenn ich die Ortshinweise hier im Blog richtig deute. Beide kenne ich gut. Bei einem wurde zuletzt angebaut. Wenn es der ist, ist es der Kiga, in den ich vor ca. 30 Jahren gegangen bin. Auf dem Grundstück, wo angebaut wurde, bin ich von der 1. bis zur 3. Klasse in die Schule gegangen bin. Der andere kann es gar nicht sein - da gibt es kein Tor auf dem Spielplatz. Die Gegend hat sich wirklich sehr verändert! Lese hier sehr gerne mit, weil ich immer mal wieder Dinge lese, die Kindheitserinnerungen wachrufen.
Schöne Grüsse - inzwischen aus Münster
Elisa

Konrad says:

Puuh … da schüttelt es einen ja richtig.
Da wünscht man sich ja richtig, genau diese Mutti bei einem Elternabend in 10 Jahren wiederzutreffen, wie ihr mitgeteilt wird, dass ihr Spross leider leider vom Gymnasium fliegt.

Ich hab schon mal eine Geburtstagsfeier Erwachsener mit Kindern in einem Kindergarten gefeiert (als Eingeladene). Da gab es auch Alkohol… vielleicht hatte die Dame einfach noch nicht genug davon getrunken… ;-)

Persephone says:

Blödes Verhalten von der Mutter - und nicht sehr christlich, zugegeben.

Aber warscheinlich hatte sie einfach nur die gleichen, trennenden Vorurteile wie Sie sie gegen Wähler, die nicht die von Ihnen favorisierten Partei wählen oder Hartz IV Empfängerinnen haben. Ärgerlich, aber wir müssen halt alle bei uns selbst anfangen - mit der Toleranz :-)

Ich habe keine Vorurteile gegen Gutverdiener (wenn es denn überhaupt welche sind, viele in dieser Gegend tun ja auch nur so). Nur mir geht dieses Wir-sind-besser-als-der-Rest-der-Menschheit-Getue richtig auf den Geist. Viele von denen verdrängen, wo sie hergekommen sind oder wissen nicht einmal ansatzweise, wie andere Menschen sich abstrampeln müssen, um Vorwärts zu kommen. Gerade letztere sollten den goldenen Löffel aus dem Mund nehmen und auch andere Lebensleistungen akzeptieren. Doch dazu sind sie viel zu borniert.

Persephone says:

Ok, Wir-sind-besser-als-der-Rest-Getue ist immer daneben, egal woher es kommt. Da bin ich vollkommen Ihrer Meinung :-)

Ich denke ich bin eher über den Wahlpartykommentar und die Backpfeifenpartei gestolpert. Einfach weil ich nicht nachvollziehen kann, warum Wähler die die nun regierenden Parteien gewählt haben immer als etwas deppert hingestellt werden.:-)

Nein, da kann der normale Wähler, der die Union oder die Liberalen gewählt hat, nichts dafür, dass mir im Zusammenhang mit CDU/CSU sowie FDP selten sympathische, öfter jedoch — gerade im jüngeren Nachwuchs — nur noch Lackaffen und eiskalte Karrieristen begegnet sind, Stichwort: Neocons. Ja und es sorgt mich einfach, den Sozialstaat nun in der Hand jener zu wissen, die es so mit ausgefahrenen Ellenbogen und Wir-sind-besser-Mentalität nach vorne drängt.

Tine says:

Und wenn man dan bedenkt, dass kirchliche Kindergärten das gleiche staatliche Geld kriegen, wie jeder andere, freie, Träger, dann kann man doppelt in die Tischkante beißen…

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