Frauenbilder

von Herr Schwaner am 07.12.2009, in: Das Leben geht weiter

Also mal ehrlich (auch wenn ich mir gleich wieder den Hass der Fans zuziehe): Frau Rieke hört während des Nähens die Hörbücher der Vampirreihe. Da wir dasselbe Zimmer zum Arbeiten nutzen, muss ich gezwungenermaßen mithören. Wir sind beim dritten Buch und daher erlaube ich mir ein Gesamturteil hinsichtlich des dort vermittelten Frauenbildes: Traditionell. Erzkonservativ. Dem Manne dienend. Widerlich.

Mal zur Überlegung: Pornografie wird aufgrund eines falsch vermittelten Frauenbildes (hinsichtlich der Sexualität) als jugendgefährdend eingestuft, steht somit auf dem Index und darf erst ab 18 Jahren erworben und konsumiert werden.

Die Hauptzielgruppe dieser Vampirreihe dürfte Mädchen im Teenager umfassen. Während erwachsene, reife Frauen über dieses tradierte Weltbild hinweglesen, möchte ich mir nicht ausmalen, welche Wirkung diese Bücher auf heranwachsende Mädchen haben, denen eine solch schmachtende, dem Wohl des Manne hingebungsvoll unterworfene Protagonistin vorgesetzt wird.

Ich weiß, dass ich damit auch in dieselbe Kerbe wie viele Kritiker von Stephenie Meyer dresche. Aber bitte: So blind und unkritisch kann man gar nicht sein, dass all diese Anspielungen auf ein konservatives Frauenbild nicht auffallen. Würden meine Kinder in dem Alter sein, dieses Buch lesen zu wollen, würde ich mich definitiv kritisch mit ihnen über dieses Bild auseinandersetzen. Da sind ja Hollywood-Streifen aus den 50er Jahren moderner und aufgeklärter.

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Autor:
Herr Schwaner

erstellt am:
7. Dezember 2009 13:29

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16 Kommentare


agichan says:

meines erachtens ist das dort vermittelte rollenverständnis für kinder - teenies - völlig unproblematisch. größtenteils übernehmen kinder sowieso das rollenbild, dass ihnen ihre eltern vorleben. ich bin mehr sicher, dass dieser einfluss weitaus größer auf unsre kinder ist als ein buch jemals ausüben könnte - selbst wenn darum so ein hype gemacht wird (dem ich mich ja auch nicht völlig entziehe). sicher gibt es auch kinder, die ganz bewusst nicht dem rollenverständnis ihrer eltern folgen. aber diese jungen menschen schalten wiederum soweit ihren verstand ein, dass keine gefahr besteht, dass sie irgendeinem rollenbild unkritisch “verfallen” könnten (denn das scheinst du ja zu fürchten). und nicht zuletzt mag es durchaus auch menschen geben, die dieses rollenverständnis für erstrebenswert halten. ;)

das rollenbilld ist.. anders als unser modernes, ja. aber schlecht? schlecht ist es nur, wenn es erzwungen ist.

Wieviele Frauen empfanden jenes Rollenbild als aufgezwungen vor den 68ern?

brinchen says:

Das in der Büchern dargestellte Frauenbild mag konservativ sein aber wenn man genauer betrachtet ist ja nicht nur Sie Ihm völligst ergeben sondern es beruht auf Gegenseitigkeit. Er würde für seine Bella alles tuen.

Richtig, meines Erachtens ist er nämlich ein Stalker :-)

Mama Miez says:

Ich sehe es wie Agichan,

das Rollenbild entspricht vielleicht nicht unserem modernen und ist eher konservativ. Problematisch ist so ein Rollenbild aber nur, wenn es erzwungen wird.

Und um die Frage “Wieviele Frauen empfanden jenes Rollenbild als aufgezwungen vor den 68ern?” direkt mit zu beantworten:

Die Frauen empfanden es eben als aufgezwungen, WEIL es von ihnen aufgezwungen wurde.

Im Übrigen muss man das Rollenbild aus BISS auch im Kontext sehen. Edward hat um 1900 gelebt. Für ihn ist dieses Rollenbild also “normal”. Und dennoch stellt er ihr Wohlergehen über seines, macht sie zu seinem Lebensmittelpunkt und tut alles in seiner Macht stehende für diese Liebe und ihren Schutz. Ehrlich gesagt finde ich diesen Part der Geschichte in Hinblick auf die Zielgruppe viel stärker ausgeprägt und werte ihn auch als deutlich positiv. Echte, bedingungslose Liebe … da ist nichts unterwürfiges bei, solang sie gleichberechtigt ist und das ist sie in der Romanreihe.

(Wobei mir die Protagonistin öfters sehr auf den Keks ging, weil sie so selbst-zweifelnd und unsicher ist. Das bringt aber das Alter mit sich. Glauben Sie einer, die mal 17 war *g*)

Frau Rieke says:

…sprach, äh schrieb er und montierte gerade den cd-player am hochbett, damit wir heute abend schön gemütlich im bett weiter hören können ;)

hier wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. und ins kino muss der gatte trotzdem auch mit mir. da kommt das moderne rollenbild unserer beziehung zum vorschein, dass ich hier das sagen habe ;P

Lilienfeuer says:

*unterschreib* ich hab den eindruck, dass man in fast jedem satz merkt, dass die frau mormonin ist. und ja, das mag vorurteilsbehaftet sein, aber den eindruck hab ich einfach.
und auch wenn ich die bücher gern gelesen hab(!), ich seh da auch ein gewisses risiko in der “ich will gerettet werden”-mentälität. nun ja. wird auch wieder vorbeigehen, dieser hype. ist ja beendet, die reihe (gott sei dank^^).

Herr Schwaner, ich bin ja nicht immer einer Meinung mit Ihnen, aber hier: absolut!

Liebste Vampirfreunde, ich gönne Euch von ganzem Herzen, dass Euch die Reihe so gefesselt hat. Dagegen ist rein gar nichts zu sagen, denn über Geschmack lässt sich ja nicht streiten. Mir gefällt die Reihe nicht so, ich finde sie zu melodramatisch, zu langgezogen und viel zu übertrieben gefühlsbetont.

Aber in meinen Überlegungen geht es nicht um Geschmack, sondern ums Geschmäckle, das da stets fröhlich mitschwingt und daher muss ich einfach noch ein paar Überlegungen (sofern ich da eine Ordnung hereinbekomme) einwerfen:

Ich bin leider der Meinung, dass Teenager weitaus weniger ihren eigenen Kopf gebrauchen, als sie vielleicht könnten. Das beginnt beim Gruppenzwang, wenn der erste der Freunde anfängt zu rauchen, zu kiffen, zu trinken, dann raucht, kifft, trinkt die ganze Gruppe mit. Fängt einer an mit einer bestimmten Stilrichtung, sind viele seiner Freunde und jenen, die es gerne bleiben möchten, mit von der Partie. Plötzlich will eine ganze Generation Jugendlicher Punks sein, dann Gruftis, neuerdings androgyne Emos und was weiß ich nicht alles. Ich zähle mich heute zum Beispiel zur Gruppe der ewig übermüdeten Eltern :) Früher jedoch waren wir beispielsweise alles bekloppte Gangsterrapper, später knallharte Xover-Typen und als wir Mitte der neunziger nackig mit Puscheln an den Beinen über die Straße des 17.Junis hinter LKWs hertanzten, waren wir zugedröhnte, vollkommen übersexualisierte Raver.

Und ausgerechnet beim Vorleben von Rollenbilder durch virtuelle Stars wie Edward und Bella soll das anders sein, die von vielen Mädchenzimmerwänden wie kitschige Bravoposter herunterstieren, neben aktuellen, angesagten Musikstars, den man ebenfalls nacheifert? Da soll plötzlich kritisch hinterfragt werden? Das unsere Überlegungen kritisch gewesen sind, das wage ich heute zu bezweifeln - als jemand, der auch mal 17 gewesen ist, Frau Miez *zwinker* ;)

Das Männerbild, das in dieser Reihe vorgelebt wird, ist mindestens genauso problematisch. Es gab weder zur Jahrhundertwende solche Männer, noch heute, noch wird es solche “Ritter der wahren, einzigen Liebe” geben. Es in die Köpfe zu pflanzen, dass eine Liebe so zu sein hat, ist reinstes Wunschdenken und nicht real und führt zu einer Anspruchshaltung ggü. dem anderen Geschlecht, das diese Ansprüche nie zu erfüllen gedenkt.

Natürlich trägt ein Mann seine Frau gerne auf Händen, so gut es ihm möglich ist und wahrscheinlich unterstützt eine Frau ihren Mann mindestens genauso gerne - was ich nicht wissen kann, ich bin ja keine Frau. Doch viel wahrscheinlicher ist es, schon alleine statistisch, dass er sie irgendwann nicht mehr auf Händen trägt, weil sie sich scheiden lassen.

Nicht mal lang anhaltende, beiderseits erfüllend empfundene Beziehungen funktionieren auf die Art und Weise, wie sie dort dargestellt werden. Was oft mit viel Leidenschaft, Feuer und Romantik beginnt, endet selbst in festen, glücklichen Beziehungen in Alltag, in Arbeit und ganz natürlich auch mal in bitterbösem Zank und Streit. Romantik, Feuer und Leidenschaft zu erhalten sind nicht gottgegeben oder eine schicksalhafte Naturgewalt - es ist ein Stück Arbeit und Mann und Frau müssen sich anstrengen, dies zu erhalten. Davon ist in den Büchern keine Rede.

Vielleicht ist es so, wie es einige von Euch angeführt haben. Vielleicht adaptieren junge Menschen eher das von den Eltern vorgelebte Rollenbild - bewusst oder unbewusst. Doch was ist mit all jenen jungen Menschen, die in Bezug auf Beziehungen, auf das Sein als (Ehe-) Mann und/oder Vater, als (Ehe-) Frau und/oder Mutter erhebliche Defizite verspüren, weil dort ein Vakuum herrscht?

Ich zum Beispiel bin gänzlich ohne Vater aufgewachsen und meine Bilder, wie ich als Mann zu sein hatte, variierten in den vergangenen 34 Jahren. Als Kind war mein Vorbild der eigene Opa, als der starb, war es mein Onkel, als der weniger Zeit hatte, dauernd nach Berlin zu kommen, suchte ich mir andere Vorbilder. Ich musste mich erst selbst bauen, ich war ein vollständiger Baukasten für einen Mann, nur hatte ich keinen Bauplan. Wieviele (virtuellen) Personen heute mein Selbstempfinden als Mann und vor allen Dinigen als Ehemann und Vater prägten, kann ich nicht sagen. Bin ich ich oder eine Rolle?

Was also, wenn ein solch überromantisierendes Bild in ein solches Vakuum gepflanzt wird?

Es geht nicht darum, dass dieses Bild von Mädchen vielleicht auch gerne adaptiert wird, das es als anstrebenswert empfunden wird. Es geht um die streitbare Tatsache, dass Dinge wie die Pornografie als gefährlich eingestuft werden, weil sie die Realität der Sexualität zwischen Mann und Frau verzerren und falsche Frauenbilder erzeugt.

Nichts anderes tun jedoch die Bücher einer bekennenden Mormonin Stephenie Meyer auch. Sie verklären die Bilder von Mann und Frau und der Beziehungen beider zueinander. Sie erzeugen falsche Realitäten. Das halte ich nach meiner Meinung - es darf zum Glück jeder eine andere haben - für ebenso gefährlich - zumindest für Kinder und Jugendliche. Weil ich jedoch kein Fan von Verboten bin, sondern mehr von der Selbstverantwortlichkeit, sollten sich Eltern kritisch mit ihren Kindern über Inhalte auseinandersetzen - wie sie es eigentlich mit allen Inhalten ihrer Kinder tun sollten: Musik, Texte, Spiele, Medien.

Mit meiner streitbaren Seele tun Sie es ja auch :)

Schussel says:

Ich finde ja hier auch nicht oft was, wozu ich ja sage, aber das hier würde ich gerne komplett unterschreiben.

Ich glaube nicht daran, dass Jugendliche alles kritisch hinterdenken und sich frei entscheiden und überhaupt. Ich wage zu behaupten, dass nicht mal Erwachsene da frei von jeder Beeinflussung sind. Das Unterbewusstsein ist ein mächtiges Ding, selbst wenn auf bewusster Ebene all das abgelehnt wird.

Und gerade was die erste große Liebe angeht: da stürzen sie sich doch gerade auf Vorbilder aus Film/Buch/Fantasie - weil zuhause nun mal nicht immer so deutlich ist, dass es das dort auch gibt. Und weil das anderswo stand: das hier zu hinterfragen bedeutet ja nicht, dass man andere Sachen wie die Supertopfmodels und ähnliches nicht genauso hinterfragen darf.

xatharina says:

Vorab: ich habe das Buch nicht gelesen. Und wahrscheinlich haben Sie recht, dass bestimmte Jugendliche sich dieses Rollenschema zum Vorbild nehmen, da sie besonders darauf ansprechen, aus welchen Hintergründen auch immer. Insgesamt würde ich diesen Einfluss aber eher nicht überbewerten. Das Leben lehrt einen dann doch noch was anderes.
Aber wahrscheinlich mache ich mich nun sehr unbeliebt, wenn ich meine, dass Killerspiele auf bestimmte Jugendliche einen viel größeren Einfluss haben? Anderes und sehr komplexes Thema, ich weiß. Aber das kam mir beim Lesen in den Sinn.

Für bestimmte Jugendliche wirst Du gewiss recht haben, für die große Masse sind Online-Charaktere bestimmt nicht Rollenvorbilder für die reale Welt. Aber in ihnen stecken weniger missionarische Weltanschauungen.

Herr Schwaner, wie viele Mädchen habe auch ich u.a. typische Mädchenromane gelesen, wo der Mann ein scheinbar kühler, arroganter, bei näherem Kennenlernen aber ein einfühlsamer Retter war. Und die Frau ließ sich retten. Naja, Sie wissen, was ich meine. Es hat mich nicht zu einer schwachen Frau werden lassen, aber ich lebe ja auch in harten Zeiten, wo die Frau ihren Mann stehen muss und der Mann außer Arbeit eigentlich nix mehr hin bekommt. Stichwort Multitasking. Insofern kann ich mir den Retter ersehnen wie ich will, er kommt höchst selten. Was ich sagen will: Gefahr scheint mir von den Büchern nicht auszugehen, solange sie der Realität diametral entgegen stehen.

Abgesehen davon hat Leanders Mami völlig recht: Solches Verhalten würde in der realen Welt zu einer sehr ungünstigen Diagnose führen. Zum Glück leben die Vampire ja nicht in der realen Welt und sind daher nicht allen psychologischen Naturgesetzen unterworfen…

Aber: Sie haben natürlich recht, wenn Sie von einer Notwendigkeit der kritischen Auseinandersetzung mit den vermittelten Rollen sprechen. Andererseits, für welches Buch würde diese Forderung nicht gelten? Denn das wollen wir doch, dass wir und die Kinder das Paradox lernen: Einerseits schwelgen können (in diesem Fall in Sehnsucht, in einem anderen Fall vielleicht in Schokomuffins), andererseits eine kritische Distanz einnehmen können zu den eigenen Gefühlen (in diesem Fall zur Sehnsucht, in einem anderen Fall zur Lust auf Kalorienreiches).

Zum Schluss möchte ich Ihnen noch mein vollstes Verständnis entgegenbringen, dass Sie sich oder Ihre Kinder oder überhaupt die ganze Welt durch diese Bücher bedroht fühlen. Ja, ich erinnere noch Ihr Leiden wegen der Dauerabwesenheit Ihrer Frau (hinter Band XY verschwunden). Jetzt müssen Sie sich das Ganze auch noch ständig anhören (selbst im Bett… Da kommt einem das ja immer näher…). Und ins Kino werden Sie auch noch geschleppt. Ziemlich massive Invasion dieser Vampire. Würde Ihre Frau das eigentlich im umgekehrten Fall auch so tolerieren - sagen wir mal, hm, wenn es um “District 9″ oder so ginge? Wollen Sie gerettet werden? Sollen wir Ihnen ein Demystifikationskommando vorbeischicken?

Ach liebste Frau Klabauter, vielen Dank für Ihre angebotene Hilfe, aber ich denke mit all den Hobbitsen und Elben aus Bruchtal werde ich es wohl alleine schaffen *fg*

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